Es begann im Winter 2025/26. Nicht mit einem Plan, sondern mit einer Ahnung, die nicht mehr wegging: dass die Politik, wie wir sie kennen, mit ihrem Latein am Ende ist — und dass „weiter so, nur gründlicher" keine Antwort mehr ist, sondern das Problem. Wir werden wirklich neu denken müssen. Alle. Gemeinsam.
Dazu kam etwas Privateres. Meine Kinder sind zwölf und vierzehn. Sie starten gerade in die Jahre, in denen Lust auf Zukunft alles entscheidet — und dieses Land bot ihnen als Grundrauschen: Krise, Verzicht, Bedenken. Ich saß gleichzeitig mit hochrespektierten, klugen, leider oft sehr arrivierten Menschen an Tischen, an denen der Ernst der Lage einfach nicht ankam. Kein Feuer, keine Dringlichkeit. Ich habe den Vibe gespürt wie einen Wetterumschwung — und um mich herum wurde über Tagesordnungspunkte gesprochen.
Und dann waren da die Nächte. Hunderte davon, im Maschinenraum der neuen KI-Systeme — so tief, dass es körperlich wehtat. Wer einmal erlebt hat, was es heißt, skalierbare Einstein-Intelligenz an der Hand zu haben, kommt da nicht mehr heraus: Es macht süchtig, es macht demütig, und reich macht es erst einmal auch nicht. Aber es hat mir gezeigt, wie schnell die Welt gerade wird — und wie langsam wir darüber reden.
Also habe ich aufgehört, auf „den Verlag" zu warten. Und auf „die Stiftung". Und auf besseres Wetter.
Ich habe meine Altersvorsorge angefasst, um dieses Buch zu drucken. Am Tag der Entscheidung klingelte das Telefon, ein Unternehmer, dem ich davon erzählt hatte: „Ich nehme fünf — ach was: zehn bitte!" Manchmal belohnt das Leben Tempo. Öfter, als wir uns trauen zu testen.
Stationen eines Unangepassten
Mit 16fängt er an, sich neu zu erfinden — und hört damit nicht mehr auf. Schülerfirma statt Streberkarriere; Christian Lindner nennt so etwas im legendären SternTV-Beitrag aus jener Zeit „nicht akademisch domestiziert". Christopher ist darin bis heute der Mann mit dem Blur daneben. Das Prädikat trägt er mit Vergnügen.
Mit 18jüngster Vorsitzender eines Kulturausschusses in NRW — als direkt gewähltes Stadtratsmitglied seiner Heimatstadt Wermelskirchen. Im JU-Landesvorstand sitzt er neben Thomas Jarzombek und Hendrik Wüst — der eine heute Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesdigitalministerium, der andere Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen.
Der BruchEin Burnout beendet die klassische Politiklaufbahn — und beginnt alles andere: Weltreisen, Unternehmen gründen, beraten (pro bono und gegen Honorar), laut denken, schreiben, Dinge versuchen. Manche gelingen. Die besten davon waren vorher „unrealistisch".
HeuteBekennendes Mitglied von Volt, mit eigener Bundestagskandidatur — und trotzdem gründlich fertig mit den etablierten Formen. Sein Weg ist die Flucht nach vorn: ohne Ausgrenzung, ohne Besserwisserei, dem eigenen Flow folgend. Deutschmut ist die bisher kompakteste Form davon: 86 Seiten, drei Klappen, null Verbitterung.
Falls das alles sehr entschlossen klingt: Ist es auch. Aber wer Christopher begegnet, trifft keinen Mahner, sondern einen, der lächelt — weil er alles hat, was man zum Glücklichsein braucht, und immer irgendwo unterkommt. Genau deshalb kann er es sich leisten, unbequem zu sein.